Sie stehen in Industriegebieten, Rastplätzen, vor Lagerhallen und Postzentren. Es sind Menschen wie der Kurierfahrer Wojtek, die hier in Europa zu Hungerlöhnen beschäftigt werden und ihre Nacht auf der Ladefläche verbringen müssen. Oft arbeiten sie ohne Arbeitsvertrag und ohne Anspruch auf jegliche Sozialrechte. Das alles passiert direkt vor unserer Nase. 

Die Fahrer werden dabei als Scheinselbständige über ein dubioses Geflecht aus mehreren Subunternehmen angestellt. Zum eigentlichen Auftraggeber besteht also kein direktes Anstellungsverhältnis. Im vorliegenden Fall übt die Deutsche Post deshalb auch keinerlei Kontrolle über die Arbeitsbedingungen der Fahrer aus, profitiert aber natürlich vom Dumpingpreis, den der Subunternehmer anbietet.

Die schwachen Kontrollen in den Mitgliedstaaten lassen diesen Missbrauch zu. Im September 2016 verabschiedete das Europäische Parlament deshalb einen umfassenden Report über Sozialdumping in Europa, in dem es unter anderem forderte, dass nationale Behörden Rechtsvorschriften über den Straßenverkehr besser koordinieren und Informationen besser austauschen.

Dazu verhandeln wir momentan die Überarbeitung der Entsenderichtlinie. Kurierfahrer werden nämlich oftmals im Rahmen einer Arbeitnehmerentsendung entsendet, um Transportaufträge innerhalb eines anderen Landes auszuführen (auch Kabotage genannt). Wir stellen klar, dass ein Arbeitnehmer nicht rein zum Zweck der Entsendung und dadurch zum Unterlaufen von Sozialstandards eingestellt werden darf.