Digitalisierung

Egal ob wir über die Ausstattung von Schulen, die Arbeit in der Industrie oder über Online-Dienste wie Uber und Airbnb reden, unser Leben scheint immer mehr durch die Existenz von Computern und Robotern beherrscht, oder zumindest sehr beeinflusst zu sein.
Die Europäische Kommission hat im Frühjahr 2015 ihre Digitale Agenda für den Europäischen Binnenmarkt vorgestellt. Diese soll als Fahrplan dienen, wohin die digitale Reise in Europa gehen soll. Allerdings beschränkte sich der Vorschlag der Kommission auf die technischen und infrastrukturellen Probleme. Von den Einflüssen der Digitalisierung auf die Arbeitswelt hingegen und insbesondere auf die ArbeitnehmeInnen, war da nichts zu lesen.
Ich habe mich als Koordinatorin im Beschäftigungsausschuss des Europäischen Parlaments dafür eingesetzt, dass wir Beschäftigungs- und Sozialpolitiker die Digitalisierung genauer unter die Lupe nehmen und einen Bericht zum Kommissionsvorschlag verfassen, der eben diese Missstände behebt. Im Folgenden möchte ich Ihnen die zentralen Punkte dieses Berichtes gerne erläutern.

Digitalisierung ist gestaltbar

Allem voran sei gesagt: Der digitale Wandel ist nicht aufhaltbar, aber der Weg dieser Entwicklung ist gestaltbar. Und das ist dann auch Aufgabe der Politik.

Die Digitalisierung bringt an vielen Stellen große Veränderungen der Arbeitswelt mit sich. Manche Jobs fallen weg, andere kommen dazu. Bankgeschäfte erledigen wir online, ohne Bankangestellten. Aber dafür benötigen wir mehr Programmierer, die den steigenden Bedarf an gut qualifiziertem Personal in einer digitalisierten Arbeitswelt decken.
Aber nicht nur die Berufe, sondern auch die Arbeitsweise ändert sich: Täglich wird die Flut an Informationen größer und technische Ausstattungen wie Handys und Tablets sorgen für ständige Erreichbarkeit. Genau deshalb kann man sich bei der Diskussion um die Digitalisierung nicht nur auf die technologische Entwicklung begrenzen. Eine beschäftigungs- und sozialpolitische Begleitung ist notwendig, damit eine soziale digitale Marktwirtschaft funktionieren kann.

Neue Beschäftigungsformen – Neue Ausbildungskonzepte

Es wäre gut, wenn wir mehr und bessere Analysen zur Beschäftigungsentwicklung hätten. Sie sollten beschreiben, wie sich die Digitalisierung quantitativ und qualitativ auf die Arbeitswelt auswirkt. Und wie wir neue Beschäftigungsformen wie Crowdworking und Plattformarbeit generell einzuschätzen haben. Sind das nur Randerscheinungen oder zeichnet sich hier ein neuer Trend ab?
Wenn sich die Arbeitswelt verändert, dann müssen wir dringend auch die Aus- und Weiterbildung neu gestalten. Dafür wäre es gut zu wissen, welche Fähigkeiten und Qualifikationen im zukünftigen Arbeitsmarkt gebraucht werden. Es ist wichtig, dass hier die Sozialpartner, also die Unternehmen und die Gewerkschaften, miteinbezogen werden, um an der Praxis orientierte Lösungsvorschläge zu erarbeiten.
Lebenslanges Lernen

Die rasante Weiterentwicklung der technischen Ausstattung und deren Möglichkeiten machen es notwendig, dass lebenslanges Lernen zum zentralen Element der Digitalisierung wird. Es wird zukünftig immer weniger Berufe geben, in denen man mit seinem Berufs- oder Studienabschluss eintritt und sich dann per „learning by doing“ weiterentwickelt. Deshalb müssen wir überlegen, wie
Weiterbildung institutionalisiert werden kann. Es muss ein Recht auf Weiterbildung für ArbeitnehmerInnen geben, um zu vermeiden, dass Menschen mit den Anforderungen im Job Schritt halten können.

Große Unternehmen haben dafür bereits gute Ideen und Programme. Viele kleine Unternehmen stellt die lebenslange Weiterbildung allerdings vor ein finanzielles Problem. Dafür brauchen wir Ideen für Fördertöpfe und Initiativen.
Lebenslanges Lernen außerhalb der betrieblichen Arbeitswelt kann auch in öffentlichen Bibliotheken stattfinden. Dafür gibt es europaweit bereits gute Beispiele, die vor kurzem im Europäischen Parlament vorgestellt wurden.

Flexibilisierung der Arbeitszeit und Arbeitsschutzstandards

Immer mehr ArbeitnehmerInnen wollen mitentscheiden, wie sie arbeiten. Viele hoffen, so Beruf und Privatleben besser vereinbaren zu können. Aber deutlich wird auch: Die klare Trennung von Job und Privatleben wird durch flexible Arbeitszeiten aufgeweicht. Beschäftigte, die ihre Arbeitszeiten selbst festlegen, arbeiten häufig länger und haben eine schlechtere Work-Life-Balance.
Ich bin überzeugt davon, dass wir mehr Unternehmensvereinbarungen brauchen, die Regeln für mobiles Arbeiten festschreiben.
Bisher geltende Standards müssen auf die digitalisierte Arbeitswelt und neue Arbeitsformen übertragen werden. Darunter fallen zum Beispiel: Soziale Absicherung, Arbeitszeit, Mitbestimmung und Arbeitsschutz.

Im Europäischen Parlament werden wir demnächst an einer Stellungnahme zur Plattformarbeit arbeiten. Wichtig ist hier sicherzustellen, dass Plattform-ArbeiterInnen dieselben Rechte haben wie „normale ArbeiterInnen“ – und nicht Selbständige sind, die von allen Schutzmaßnahmen ausgenommen sind.

Sie sehen, die Digitalisierung bringt viele Fragestellungen und Herausforderungen mit sich. Wir müssen nicht nur die Funklöcher stopfen, sondern brauchen auch Antworten auf die gesellschaftlichen und beschäftigungspolitischen Folgen der Digitalisierung. Ich bin überzeugt davon, dass wir die digitalisierte (Arbeits-)Welt von morgen positiv gestalten können. Wichtig ist mir dabei: Es darf sich nicht um eine Unterwerfung unter den technischen Fortschritt handeln. Vielmehr muss der Mensch im Mittelpunkt der Digitalisierung stehen. Ich halte Sie hier auf meiner Homepage auf dem Laufenden.