EU-Kommission macht wenig bis gar nichts gegen ausbeuterische Praktiken von Billig-Airlines

Um weiterhin den Preiskampf zu gewinnen, werden die Niedrigpreis-Fluggesellschaften immer skrupelloser. Das sogenannte Modell „Pay-to-fly“ ist nur das neueste Anstellungsmodell in einer Reihe von Praktiken, die die geltenden nationalen Arbeitsmarktgesetze umgehen. Dem Ziel die Lohnnebenkosten zu senken wird alles andere untergeordnet.

„Pay-to-fly“ heißt im Grundsatz, dass PilotInnen zahlen, um fliegen zu „dürfen“. Was für ein Irrsinn! Junge PilotInnen müssen nach Abschluss ihrer Ausbildung Flugerfahrung sammeln. Wenn sie keine Festanstellung finden, sind einige von ihnen bereit, sich ein Platz im Cockpit zu „erkaufen“, um dann mit der gewonnen Flugerfahrung größere Chancen auf eine Festanstellung zu haben. Das kann einen jungen Piloten bis zu 60.000 € kosten! So hoch verschuldet startet dann der junge Pilot seine Karriere und steht von Beginn an unter hohem finanziellen Druck. Das wiederum kann eine große Sicherheitsgefahr für den Flugbetrieb darstellen. Bitte unterschreibt die Petition zur Beendigung dieser Praktiken: https://secure.avaaz.org/en/petition/p2f_must_stop/?pv=85

Dieses Video (auf Englisch) erklärt die skandalöse Praktik sehr gut:
 

Weitere Informationen zu diesem Modell gibt es auf der Seite der Luftfahrtnachrichten www.aero.de. Hier geht es direkt zum Artikel: ECA fordert umgehendes Verbot von Pay-to-fly Verträgen.

Angesichts dieser krassen Fehlentwicklungen in der Luftfahrtbranche würde ich mir ein entschlossenes Handeln der EU-Kommission wünschen. Der Ausbeutung von jungen PilotInnen muss jetzt ein Ende gesetzt werden. Dafür habe ich eine schriftliche Anfrage an die Kommission gestellt und gefragt, was in dieser Richtung geschehen soll. Die Antwort der Kommission ist allerdings eine bodenlose Frechheit. Die Kommission schaut weg und zeigt wenig Interesse, wirklich etwas bewegen zu wollen.

Hier meine schriftliche Anfrage an die EU-Kommission vom 5. Mai 2015:

  1. Ist die Kommission über die Existenz der „Pay to Fly“ Praxis bei europäischen Fluggesellschaften informiert?
  2. Teilt die Kommission die Einschätzung, dass dieses Anstellungsmodell ein Risiko für die Flugsicherheit darstellt?
  3. Wird die Kommission gegen Fluggesellschaften vorgehen, die dieses ausbeuterische Anstellungsmodell anbieten, und die Ausbildungspraktiken im Luftfahrtsektor überprüfen?

Und hier die Antwort von der zuständigen Verkehrskommissarin Frau Bulc vom 10. Juli 2015:

  1. Die Kommission wurde kürzlich von Pilotenorganisationen über die „pay-to-fly“-Systeme einiger europäischer Luftfahrtunternehmen informiert. Die Kommissionsdienststellen prüfen derzeit diese Angelegenheit.
  2. Der Kommission liegen bislang keine konkreten Anhaltspunkte zu den Auswirkungen dieses Beschäftigungsmodells auf die Sicherheit vor.
  3. Auf der Grundlage der gesammelten Informationen und Daten werden Art und Umfang dieser Praxis bewertet und der Bedarf an gezielten Maßnahmen auf der geeigneten Ebene erörtert.

Das ganze Dokument kann hier eingesehen werden.

Trotz alledem kämpfe ich weiter entschlossen für die Interessen der PilotInnen. Nur bei guten Arbeitsplatzbedinugngen für die PilotInnen ist unsere Sicherheit als Passagiere im Flugzeug gewährleistet!

3 Kommentare

  • Herbert Behnke

    14. Juli 2015 at 22:19

    Nicht Deutschland, mit seinen gut geschulten Pilotinnen und Piloten, sollte sich der Praxis der Billigairlines anderer europäischer Länder anpassen, sondern diese Länder sollten die sicheren Arbeitsplatzbedingungen von uns übernehmen.
    In der Flugverkehrsbranche geht Sicherheit immer vor.

    • juttasteinruck

      15. Juli 2015 at 15:07

      Hallo Herr Behnke, da stimme ich ihnen zu. Leider gibt der Preis hier den Takt an. Seit einigen Jahren schon drängen immer mehr Akteure aus den Niedrigpreissektor auf den europäischen Markt. Das hat zu einem gnadenlosen Preiskampf auf dem Rücken der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Cockpit und der Kabine geführt. Selbstanstellungsverhältnisse und „Pay-to-Fly“ sind hier längst keine Seltenheit mehr. Es gibt nicht ein einheitliches europäisches Gesetz, dass den Arbeits- und Sozialschutz im Flugsektor festsetzt. Das machen sich einige Fluggesellschaften zu Nutzen und stellen dort Verträge aus, wo die Sozialabgaben am niedrigsten sind. Deshalb brauchen wir ein Koordination der verschiedenen Sozialversicherungssystem. Das betrifft übrigens nicht nur den Flugsektor. Sozialdumping ist ein Problem in fast allen Bereichen. Viele Grüße, Jutta Steinruck

  • Paying to work is necessary « CockpitSeeker

    16. Juli 2015 at 5:39

    […] it is just 4 days after the EC (European Commission) released its answers to MEP Steinruck's 5th of May questions (that were among the basis for the EP hearing two days afterwards) which showcased — SPOILER ALERT […]

Kommentar schreiben

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

close

Gefällt Ihnen meine Seite? Dann lassen Sie es ihre Freunde wissen!

Schreiben Sie mir!
Mein YouTube-Kanal
Scroll Up