Nur häppchenweise informiert

Die bei der Abstimmung des Europäischen Parlaments am Mittwoch über den Kompromissvorschlag zur Richtlinie über Lebensmittelinformationen beschlossene Lebensmittelkennzeichnung bedeutet leider nur teilweise ein Fortschritt für die Verbraucherinnen und Verbraucher in der EU .
Lebensmittelhersteller werden zwar zukünftig verpflichtet, Informationen zu Energiewert, Fett, gesättigten Fettsäuren und Kohlenhydraten mit besonderem Hinweis auf Zucker und Salz sowie Eiweiß auf der Produktrückseite anzugeben.
Abgelehnt wurde aber die Forderung der Sozialdemokraten nach einer verpflichtenden Angabe des Kalorienwertes auf der Produktvorderseite. Die Verbraucherinnen und Verbraucher werden nun nicht schnell und auf den ersten Blick erkennen können, wie viele Kalorien im Produkt enthalten sind.
Enttäuscht sind wir Sozialdemokraten auch über die Ablehnung seitens der Mitgliedstaaten, die Nährwerte verpflichtend in realistischen und leicht nachvollziehbaren Portionsgrößen anzugeben. Leider werden die Verbraucherinnen und Verbraucher zukünftig weiter die Rosinen und Haferflocken erst zählen müssen, um zu wissen, wie viel Zucker und Kalorien in ihrer Schale Müsli enthalten sind.
Besonders verärgert sind wir über das enttäuschende Einigungsergebnis zur verpflichtenden Herkunftsangabe. Trotz der eindeutigen Entscheidung des Parlaments in seiner Ersten Lesung im Sommer vergangenen Jahres und der erneuten Bestätigung durch den Umweltausschuss in Zweiter Lesung im April hat der Ministerrat eine aussagekräftige Ursprungslandkennzeichnung verhindert. Das Europäische Parlament hatte gefordert, dass das Herkunftsland von Fleisch, Geflügel und Milch sowie für Obst und Gemüse immer angegeben werden muss. Außerdem sollte auch die Herkunft von Fleisch und Geflügel in verarbeiteten Produkten angegeben werden. Dass der Ministerrat den Verbraucherinnen und Verbrauchern diese wesentlichen Informationen vorenthalten will, ist nicht hinnehmbar.
Die Ignoranz des Ministerrats ist ein erneuter Beweis, dass die Mitgliedstaaten noch immer nicht dem Willen der Verbraucherinnen und Verbraucher nach klaren Informationen über die Herkunft ihrer Lebensmittel nachkommen.

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