Rote Karte für die FIFA

Europaabgeordnete fordert härteren Umgang des Weltfußballverbandes mit Katar

Theo Zwanziger, Beauftragter des Weltfußballverbands FIFA für humanitäre Belange, musste sich am Donnerstag bei einer Anhörung des Menschenrechtsausschusses im Europäischen Parlament für Vorbereitung der umstrittenen Katar-WM rechtfertigen. Bei den Bauarbeiten für die Fußballweltmeisterschaft 2022 sind laut der britischen Tageszeitung „The Guardian“ im vergangenen Jahr 185 nepalesische Arbeiter gestorben. Amnesty International und andere Menschenrechtsorganisationen stellen dort ein „alarmierendes Ausmaß an Ausbeutung bis hin zu Zwangsarbeit“ für ausländische Arbeiter fest.

„94 Prozent der Beschäftigten in Katar sind Gastarbeiter“, erklärt Jutta STEINRUCK, Sozialsprecherin der SPD-Europaabgeordneten und Mitglied der parlamentarischen Delegation für die Beziehungen mit der arabischen Halbinsel. „Doch statt auf faire Jobs stoßen die Einwanderer auf prekäre Beschäftigungsbedingungen und Rechtslosigkeit. Die Bezahlung liegt oft nicht höher als 200 US-Dollar im Monat und die Sicherheitsvorkehrungen sind schlecht bis nicht existent. In der Baubranche gab es im vergangenen Jahr etwa sechsmal so viele Arbeitsunfälle wie in anderen Ländern mit ähnlichem Wohlstand.“

Laut Internationalem Gewerkschaftsbund seien Arbeitszeiten von zwölf Stunden täglich keine Ausnahme. Sie leben während ihres Aufenthalts in überfüllten Arbeitslagern mit überaus bedenklichen hygienischen Zuständen. Zwanziger sieht in der Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar eine Chance, um eine Verbesserung der Situation zu unterstützen. Doch das bedeutet gleichzeitig, dass die FIFA seine gesellschaftliche und soziale Verantwortung ernst nehmen muss.

„Ein Land, dass auf Wanderarbeitskräfte angewiesen ist wie Katar, in dem Gastarbeiter eigentlich die absolute Mehrheit der nationalen Arbeitskraft stellen, steht in der Pflicht für deren Schutz und Gleichberechtigung zu sorgen,“ so Jutta STEINRUCK. Bisher scheinen von dem neuen Investitionsprogramm für die WM in erster Linie Unternehmen zu profitieren. Gewerkschaften sind unerwünscht. FIFA und Regierung in Katar haben mehrfach Reformen versprochen, die Situation aber bisher nicht verbessert. „Die FIFA bekommt heute die Rote Karte. Katar muss endlich das sozialzersetzende Kafala-Wirtschaftssystem abschaffen. Stattdessen muss die Regierung für einen integrierten rechtlichen Rahmen in Migrations- und Arbeitsmarkpolitik sorgen, der Versammlungsfreiheit und Arbeitnehmerrechte sichert. Der FIFA-Exekutivausschuss muss stärkeren Druck ausüben auf die Regierung in Katar und deutlich machen, dass es mit der Missachtung von Menschenrechten keine erfolgreiche WM geben kann. Sonst bleiben die Worte von gesellschaftlicher Veränderung durch Großereignisse leere Versprechungen.“

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